﻿{"id":1785,"date":"2025-11-01T21:15:27","date_gmt":"2025-11-01T20:15:27","guid":{"rendered":"https:\/\/anm.hfk-bremen.de\/?p=1785"},"modified":"2025-11-01T21:15:27","modified_gmt":"2025-11-01T20:15:27","slug":"verleihung-des-bundesverdienstkreuzes-an-younghi-pagh-paan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anm.hfk-bremen.de\/?p=1785","title":{"rendered":"Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Younghi Pagh-Paan"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Younghi Pagh-Paan am 29. Oktober 2025 im<\/strong> <strong>Bremer Rathaus durch B\u00fcrgermeister Dr. Bovenschulte<\/strong><\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Freude und aufrichtiger Bewunderung gratuliere ich meiner verehrten Kollegin und Vorg\u00e4ngerin <strong>Prof. Younghi Pagh-Paan<\/strong> zur Verleihung des <strong>Bundesverdienstkreuzes<\/strong>. Diese hohe Auszeichnung w\u00fcrdigt ein Lebenswerk, das in seiner Konsequenz, seiner poetischen Tiefe und seiner menschlich-ethischen Haltung weit \u00fcber die Grenzen blo\u00dfen musikalischen Schaffens hinausreicht.<\/p>\n<p>Younghi Pagh-Paan ist eine K\u00fcnstlerin von seltener Integrit\u00e4t. Ihr Werk, das von fr\u00fch an eine unverwechselbare Handschrift tr\u00e4gt, vereint unterschiedliche Welten: die klangliche und spirituelle Kultur Koreas mit der expressiven Kraft der europ\u00e4ischen Avantgarde. In ihrer Musik begegnen sich Stille und Energie, Meditation und Aufschrei, Formstrenge und emotionale Freiheit. Sie versteht Komposition nicht als handwerkliche, satztechnische \u00dcbung, sondern als eine Form des Denkens, F\u00fchlens und H\u00f6rens, die in die Tiefe des Menschseins f\u00fchrt. Ihre Werke sprechen von Verletzlichkeit und Widerstand, von Erinnerung und Verantwortung \u2013 Themen, die sie mit gr\u00f6\u00dfter k\u00fcnstlerischer Sensibilit\u00e4t und innerer Wahrhaftigkeit gestaltet.<\/p>\n<p>Als Younghi Pagh-Paan 1994 den Ruf an die Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste Bremen annahm, begann ein neues Kapitel f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Musik in unserer Stadt. Mit der Gr\u00fcndung des <strong>Atelier Neue Musik<\/strong> schuf sie einen Ort, an dem sich k\u00fcnstlerische Neugier, interkultureller Austausch und unbedingte Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit Musik im gesellschaftlichen Kontext verbinden. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Atelier zu einem zentralen Forum f\u00fcr die Musik unserer Zeit \u2013 offen f\u00fcr neue Ideen, radikal im Denken, gepr\u00e4gt von einem tiefen Respekt vor der sch\u00f6pferischen Verantwortung jedes Einzelnen und dabei frei von jeglichem Dogmatismus.<\/p>\n<p>Ihre Lehre war gepr\u00e4gt von einer einzigartigen Mischung aus Strenge und Mitgef\u00fchl. Sie forderte viel, aber sie forderte nie etwas, das sie nicht selbst in h\u00f6chstem Ma\u00dfe lebte: Genauigkeit, Hingabe, Wahrhaftigkeit. Studierende, die das Gl\u00fcck hatten, bei ihr zu lernen, berichten immer wieder von einer Erfahrung, die weit \u00fcber das Handwerk des Komponierens hinausging. Sie lehrte das H\u00f6ren als eine ethische Praxis \u2013 als die F\u00e4higkeit, aufrichtig zuzuh\u00f6ren, dem Anderen im Klang zu begegnen und in der Musik die Verantwortung f\u00fcr das eigene Tun zu erkennen.<\/p>\n<p>So wurde Younghi Pagh-Paan nicht nur zu einer k\u00fcnstlerischen Leitfigur, sondern auch zu einer moralischen Instanz innerhalb der Hochschule. Ihr Wirken hat die HfK Bremen tief gepr\u00e4gt und weit \u00fcber die Region hinaus bekannt gemacht. Viele ihrer ehemaligen Studierenden sind heute selbst pr\u00e4gende Stimmen der internationalen Musikszene \u2013 ein Zeugnis der nachhaltigen Kraft ihrer Lehre.<\/p>\n<p>Neben ihrem p\u00e4dagogischen Wirken steht ihr bedeutendes kompositorisches Schaffen, das seit Jahrzehnten auf den gro\u00dfen B\u00fchnen der Welt pr\u00e4sent ist \u2013 bei den Donaueschinger Musiktagen, den Wittener Tagen f\u00fcr neue Kammermusik, bei Festivals in Berlin, Paris, Wien, Seoul und anderswo. Ihre Musik wird gesch\u00e4tzt wegen ihrer Unbedingtheit, ihrer Konzentration, ihrer spirituellen Tiefe. Sie ist nie gef\u00e4llig, nie vordergr\u00fcndig laut \u2013 und doch von einer Eindringlichkeit, die niemanden unber\u00fchrt l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes w\u00fcrdigt nicht nur eine herausragende Komponistin, sondern auch eine Pionierin, die durch ihr Beispiel vielen anderen den Weg bereitet hat. F\u00fcr die Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste Bremen ist diese Ehrung zugleich Anlass zu Dankbarkeit und Stolz: Dankbarkeit f\u00fcr die Zeit ihres Wirkens, f\u00fcr die unz\u00e4hligen Impulse, die sie uns hinterlassen hat, und f\u00fcr das bleibende geistige Erbe, das sie in unserem Haus begr\u00fcndet hat.<\/p>\n<p>Als ihr Nachfolger empfinde ich tiefe Demut und Dank daf\u00fcr, in ihrer Tradition weiterarbeiten zu d\u00fcrfen. Ihre Haltung \u2013 das kompromisslose Streben nach Wahrhaftigkeit, das Vertrauen in die Kraft der Kunst und das Bewusstsein f\u00fcr ihre gesellschaftliche Verantwortung \u2013 bleibt f\u00fcr mich und viele Kolleginnen und Kollegen ein Kompass in unserem eigenen Schaffen.<\/p>\n<p>Im Namen des Atelier Neue Musik der Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste Bremen gratuliere ich ihr von ganzem Herzen zu dieser verdienten Auszeichnung.<\/p>\n<p><strong>Prof. J\u00f6rg Birkenk\u00f6tter<\/strong><br \/>\nKomposition \/ Atelier Neue Musik<br \/>\nHochschule f\u00fcr K\u00fcnste Bremen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Younghi Pagh-Paan am 29. Oktober 2025 im Bremer Rathaus durch B\u00fcrgermeister Dr. Bovenschulte Mit gro\u00dfer Freude und aufrichtiger Bewunderung gratuliere ich meiner verehrten Kollegin und Vorg\u00e4ngerin Prof. Younghi Pagh-Paan zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. 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